Gewinne: keine Einkunftsart, keine Steuer
Das Einkommensteuergesetz kennt sieben Einkunftsarten; Glücksspielgewinne gehören zu keiner. Sie sind steuerfrei — für den Lottogewinn, den Slot-Gewinn beim lizenzierten Anbieter und den Gewinn bei einem Casino ohne deutsche Lizenz gleichermaßen. Die fehlende Erlaubnis des Anbieters ändert daran nichts: Steuerrecht fragt nicht, ob das Spiel erlaubt war, sondern ob eine Einkunftsart vorliegt.
Die Steuer, die du trotzdem zahlst: 5,3 % auf den Einsatz
Seit dem 1. Juli 2021 zahlen lizenzierte Anbieter nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz 5,3 % Virtuelle Automatensteuer auf jeden Einsatz — nicht auf den Gewinn, nicht auf den Rohertrag. Bei 96 % RTP ist der Hausvorteil 4 %; eine Steuer von 5,3 % auf den Einsatz wäre höher als der gesamte Hausvorteil. Also senken die Anbieter die RTP: deutsche Versionen bekannter Slots laufen mit 90–94 %. Der Bundesfinanzhof hat die Steuer am 4. November 2025 (IX R 27/24) für verfassungs- und unionsrechtskonform erklärt — obwohl das Hessische Finanzgericht in der Vorinstanz von einem Schwarzmarktanteil von 80 % ausgegangen war. Das Aufkommen fiel von rund 430 Millionen Euro (2022) auf 214 Millionen (2024).
Ein Casino ohne deutsche Lizenz zahlt diese Steuer nicht und bietet die Herstellerversion an. In meinen Stichproben stimmten 48 von 50 RTP-Werten mit den Herstellerangaben überein. Bei 1.000 € Umsatz sind fünf Prozentpunkte RTP 50 €. Der Rechner zeigt es mit deinem Umsatz.
Drei Fälle, in denen das Finanzamt doch kommt
- Berufsspieler. Wer planmäßig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht spielt und davon lebt, kann gewerbliche Einkünfte haben. Der BFH hat das für Poker bejaht; für Slots ist es mangels Geschicklichkeit praktisch ausgeschlossen, bei Sportwetten in Grenzfällen möglich.
- Erträge aus dem Gewinn. Der Gewinn ist steuerfrei, die Zinsen und Dividenden aus seiner Anlage nicht — ab dem Tag der Gutschrift gilt die Kapitalertragsteuer.
- Krypto. Zahlst du in USDT oder BTC aus und verkaufst später in Euro, ist der Kursgewinn zwischen Auszahlung und Verkauf ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG — steuerpflichtig bei Verkauf innerhalb eines Jahres über der Freigrenze von 1.000 €. Kurs und Datum der Auszahlung dokumentieren.
Große Eingänge: belegen, nicht versteuern
Banken melden nach dem Geldwäschegesetz ungewöhnliche Eingänge, und das Finanzamt kann bei einer Prüfung nach der Herkunft fragen. Dann brauchst du Belege: Auszahlungsbestätigung des Casinos, Screenshots von Transaktionsverlauf und Konto, bei Krypto die Wallet-Historie. Heb sie auf, solange du das Geld hast — und sei dir bewusst, dass der Beleg die Teilnahme an einem in Deutschland nicht erlaubten Spiel zeigt. § 285 StGB.
Verluste absetzen?
Nein. Was steuerfrei gewinnt, kann steuerlich nicht verlieren. Verluste bei Anbietern ohne deutsche Lizenz lassen sich nur zivilrechtlich zurückfordern. Das hier ist eine allgemeine Darstellung, keine Steuerberatung — bei größeren Beträgen oder Krypto ist eine Stunde beim Steuerberater billiger als ein Fehler.